Künstliche Intelligenz im öffentlichen IT-Umfeld – Technische Architekturen, Toolchains und Projektaufbau von KI PM 14-308

Seminarziel

Die Teilnehmenden erhalten:

  • Orientierung im KI-Tool-Dschungel: Was gibt es, was taugt es, was ist erlaubt?
  • Sicherheit im Umgang mit Datenschutz und DSGVO beim KI-Einsatz
  • Einen praxistauglichen Leitfaden für den KI-Einsatz im kommunalen Alltag
  • Technisches Verständnis für KI-Architekturen und deren kommunale Umsetzbarkeit
  • Eine Grundlage für die Planung eigener KI-Pilotprojekte
Firmen- und Gruppenschulungen

Sie interessieren sich für eine Gruppe, eine Abteilung oder ein Team für dieses Seminar?

Das Training kann individuell an unternehmensspezifische Bedürfnisse angepasst werden. Maßgeschneiderte Schulungskonzepte sind auf Anfrage verfügbar!

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Seminarinhalt

Künstliche Intelligenz im öffentlichen IT-Umfeld - Technische Architekturen, Toolchains und Projektaufbau von KI
Tag 1: KI-Tools & Datenschutz

Einstieg und Erwartungsabgleich

  • Erwartungen und Fragen der Teilnehmenden
  • Überblick über Tagesablauf und Zielbild
Block 1: KI-Landschaft im Überblick: Welche KI-Systeme gibt es?

Marktüberblick der wichtigsten Werkzeuge

  • Was ist ein Chatbot bzw. Large Language Model?
  • Kurze technische Einordnung
  • Unterschied zwischen Chatbot, KI-Assistent und KI-Agent

Wichtige Plattformen und Tools im Überblick

  • Vergleich der unterschiedlichen Tools (ChatGPT, MS Copilot, Google Gemini, Claude, Mistral, Aleph Alpha, etc.) mit:
    • Kostenplänen (Free, Plus, Team, Enterprise, etc.)
    • Stärken (Allzweck, Integration, Suche, Analyse, etc.)
    • Datenschutz-Eignung (Datenspeicherung, Transfer, Cloud vs. lokaler Betrieb, DSGVO-Konformität etc.)
Block 2: Datenschutz und rechtlicher Rahmen für Kommunen

Rechtsgrundlagen im Überblick

  • DSGVO und Bundesdatenschutzgesetz: Was gilt für Kommunen?
  • Auftragsverarbeitung: Wann ist eine KI-Nutzung AVV-pflichtig?
  • Dienstgeheimnisse und Vertraulichkeit: Was darf nicht in die Cloud?
  • KI-Verordnung und AI Act
  • Kommunalrechtliche Besonderheiten für Behörden, zum Beispiel in Schleswig-Holstein

Die entscheidende Frage: Was darf ich eingeben?

  • Kategorien von Daten: öffentlich, intern, vertraulich, personenbezogen
  • Klassifikationsmodell für die Praxis: Ampelmodell Grün / Gelb / Rot
  • Konkrete Beispiele aus dem Verwaltungsalltag:
    • Protokollentwürfe, Beschlussvorlagen, Pressemitteilungen: grün
    • Interne Vermerke, Stellungnahmen: gelb, mit Vorsicht
    • Personalakten, Sozialdaten, Gesundheitsdaten: rot, nicht erlaubt

Welche Tools sind für Kommunen bedingt erlaubt?

  • Anforderungen: EU-Datenspeicherung, AVV, keine Trainingsnutzung
  • Bewertung der Tools aus Block 1 nach Datenschutz-Kriterien
  • Sonderfall lokale Modelle, zum Beispiel Ollama, als datenschutzrechtlicher Idealfall
  • Aktuelle Empfehlungen von BSI und Datenschutzbehörden
Block 3: Praxistauglichkeit und Einsatzfelder in der Kommune

Welche Tools lohnen sich – auch wenn sie Geld kosten?

  • Kosten-Nutzen-Betrachtung: Wann rechnet sich eine kostenpflichtige Lizenz?
  • Microsoft Copilot in M365: Integration in bestehende Infrastruktur
  • Lokale Lösung mit Ollama und Open-Source-Modell: einmalige Investition
  • n8n als Automatisierungsplattform

Typische Einsatzfelder mit Live-Demos

  • Texte erstellen: Beschlussvorlagen, Pressemitteilungen, Protokolle
  • Recherche und Zusammenfassung: Gesetze, Urteile, Berichte
  • Übersetzung und Vereinfachung: Behördentexte verständlich machen
  • Brainstorming und Ideenfindung: Projektplanung, Maßnahmenentwicklung
  • Vibe Coding mit KI
  • Prozessautomatisierung

Was funktioniert gut – was nicht?

  • Stärken moderner LLMs im Verwaltungskontext
  • Grenzen: Halluzinationen, fehlende Aktualität, Fachbereichslücken
  • Qualitätssicherung: Wie überprüft man KI-Outputs?
Block 4: KI-Leitfaden für die Kommunalverwaltung

Bausteine eines kommunalen KI-Leitfadens

  • Zweck und Geltungsbereich des Leitfadens
  • Erlaubte und nicht erlaubte KI-Tools, zum Beispiel als interne Liste
  • Datenklassifikation und Eingaberegeln nach Ampelmodell
  • Umgang mit KI-generierten Inhalten: Kennzeichnung und Prüfpflicht
  • Verantwortlichkeiten: Wer entscheidet über neue Tools?
  • Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden

Praxisteil Gruppenarbeit: Leitfaden-Entwurf für die eigene Verwaltung

  • Kleingruppen erarbeiten je einen Leitfaden-Baustein
  • Eine Vorlage wird bereitgestellt und gemeinsam angepasst
  • Kurzpräsentation und Diskussion im Plenum

Tagesabschluss und Ausblick

  • Reflexionsrunde: wichtigste Erkenntnisse des Tages
  • Offene Fragen und Diskussion
  • Ausblick auf Tag 2: Technische Architekturen und Projektaufbau
Tag 2: Architektur und Projektaufbau

Einstieg und Zielbild

  • Rückblick auf Tag 1: Erkenntnisse und offene Fragen
  • Use-Case-Sammlung: Was haben die Teilnehmenden mitgebracht?
  • Zielbild des Tages: Wie sieht eine vollständige KI-Chain technisch aus?
  • Abgrenzung: kein Programmieren, keine Modellentwicklung – Fokus auf Architektur und Betrieb
  • Überblick über die Gesamtarchitektur, die im Laufe des Tages schrittweise erklärt wird
Block 1: Technische Grundlagen moderner KI-Systeme

Architektur-Ebenen moderner KI

  • Modell-Ebene: das Herzstück
  • Orchestrierungs-Ebene: der Dirigent
  • Daten-Ebene: die Wissensbasis
  • Tool- und Integrations-Ebene: die Werkzeuge
  • Frontend- und API-Ebene: die Schnittstelle zum Nutzer

Large Language Models – Was steckt drin?

  • Modelltypen: General Purpose vs. Instruction-tuned
  • Open Source vs. proprietäre Modelle: Was bedeutet das für Kommunen?
  • Wichtige Eigenschaften: Kontextlänge, Tokenisierung, Latenz, Speicherbedarf
  • Grenzen und Implikationen für Architektur und Betrieb

Betriebsmodelle – Cloud, lokal oder hybrid?

  • Cloud-Modelle: Komfort vs. Datenschutzrisiko
  • Lokale Modelle: volle Kontrolle, aber eigene Infrastruktur nötig
  • Hybridansätze: das Beste aus beiden Welten – für wen geeignet?
  • Typische Entscheidungsparameter im öffentlichen Umfeld

Kultur der Security Awareness

  • Sicherheitsbewusstsein stärken
  • Erste Schritte zur Risikominimierung
Block 2: Toolchains & Komponenten einer KI-Chain

Modell-Layer: Das richtige Modell auswählen

  • Auswahlkriterien: Größe, Lizenz, Anpassbarkeit
  • Inferenz vs. Training: Warum eigenes Training kaum nötig ist
  • Modell-Updates und Versionierung: Was ändert sich wann?

Embeddings und semantische Suche

  • Warum Embeddings zentral sind: Texte als Vektoren verstehen
  • Embedding-Modelle für Text und Dokumente
  • Typische Einsatzmuster in der Verwaltungspraxis
  • Überblick über Hugging Face und verfügbare Open-Source-Modelle

Vektordatenbanken

  • Rolle in RAG-Systemen: Warum klassische Datenbanken nicht reichen
  • Technische Kriterien: Performance, Metadaten, Skalierbarkeit
  • Abgrenzung zu klassischen relationalen Datenbanken
  • Überblick freier Systeme: Chroma, Qdrant, Weaviate, pgvector

Dokumenten- und Datenpipelines

  • Datenquellen: Dateien, Fachverfahren, Wikis, APIs
  • Pipeline-Schritte: Extraktion, Chunking, Metadaten, Aktualisierung
  • Praxisbeispiel: Wie kommt das Stadtrecht in eine KI?
Block 3: RAG-Systeme & Orchestrierung

Retrieval Augmented Generation – Architektur

  • Warum RAG unverzichtbar ist: LLMs ohne eigenes Wissen nutzen
  • Klassische RAG-Pipeline: Anfrage, Retrieval, Kontextaufbereitung, Generierung
  • RAG-Varianten: Simple RAG, Multi-RAG, hierarchisches RAG
  • Reranker und weitere Optimierungen
  • Graphen als Alternative: GraphRAG
  • Praxisbeispiel: Satzungsauskunft per RAG-System

Prompting und Kontextsteuerung

  • System-Prompts vs. User-Prompts konzeptionell verstehen
  • Kontextfenster optimal nutzen
  • Steuerung von Antwortverhalten und Tonalität
  • Intent Classification

Orchestrierungs-Frameworks

  • Aufgaben: Prompt-Handling, Tool-Aufrufe, Speicher bzw. Memory
  • Warum Orchestrierung wichtig ist – am Beispiel erklärt
  • Überblick: LangChain, LlamaIndex, n8n für Nicht-Entwickler
  • Trennung von Logik und Modell für Wartbarkeit und Austauschbarkeit
Block 4: Agenten, MCP & Automatisierung

Von RAG zu Agentensystemen

  • Unterschied zwischen Antwortsystem und aufgabenorientiertem System
  • Agentenlogik: Ziel, Planung, Schritte, Rückkopplung
  • Wann braucht eine Kommunalverwaltung einen Agenten?

MCP – Model Context Protocol: technische Grundidee

  • Standardisierte Tool-Schnittstellen als Zukunftsstandard
  • Entkopplung von Modell, Tools und Daten
  • Vorteile für Behörden: Austauschbarkeit, Kontrolle, Nachvollziehbarkeit

Automatisierungsszenarien für die Kommunalverwaltung

  • Mehrstufige Prozesse, zum Beispiel Anfrage, Recherche, Entwurf, Prüfung
  • Kombination aus LLM, Tools und Regelwerken
  • Grenzen und Sicherheitsmechanismen: Wo muss der Mensch eingreifen?
  • Praxisbeispiele:
    • Automatische Beantwortung einfacher Bürgeranfragen
    • KI-gestützte Bearbeitung von Förderantragsunterlagen
    • Intelligente Dokumentensuche im Ratsinformationssystem
Block 5: Betrieb, Projektstart und Abschluss

Hardware und Infrastruktur – Was braucht eine Kommune?

  • CPU vs. GPU: Wann lohnt sich was?
  • Speicher und Durchsatz: Richtwerte für den Kommunalbetrieb
  • Cloud Services mit GPU vs. eigene Hardware
  • Beispiel-Setups: Pilotbetrieb mit vorhandener Hardware vs. Produktivbetrieb

Betrieb und Governance

  • Zugriffsmodelle: Wer darf was nutzen?
  • Logging und Monitoring: Transparenz über KI-Nutzung
  • Datenschutz und IT-Sicherheit im Betrieb
  • Update- und Change-Management: Modelle veralten schnell

Projektstart: Vom Use Case zum Piloten

  • Architektur-Skizze statt Use-Case-Roman: pragmatisch beginnen
  • Minimal Viable AI-Chain: Was braucht man wirklich zum Start?
  • Fahrplan: Pilot, Bewertung, Skalierung
  • Fallstricke und Erfolgsfaktoren aus der Praxis

Abschlussdiskussion und Verabschiedung

  • Reflexionsrunde: Wo steht die eigene Organisation?
  • Nächste realistische Schritte: Jede Person nimmt eine konkrete Aufgabe mit
  • Hinweis auf Unterlagen und Ressourcen

Zielgruppe

Dieses Seminar ist für IT-Mitarbeitende, IT-Architekten und technische Projektleitende in Behörden konzipiert.

Voraussetzungen

Es sind keine besonderen Voraussetzungen erforderlich.

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